Urlaub an der Staffelei: zwischen Öl- und Acrylfarben, zwischen Kreidestiften und Aquarelltöpfen, dabei der eigenen Kreativität freien Lauf lassen und zugleich Techniken erlernen, sich inspirieren lassen, experimentieren mit Formen, Farben und Materialien … Es gibt eine ganze Reihe beachtenswerter Malschulen und Kunstworkshops in Deutschland, die derart intensive Urlaubserlebnisse garantieren. Einmalig jedoch ist der Kunstunterricht in der ehemaligen Künstlerkolonie Worpswede in der Nähe von Bremen, wo mehr als 130 namhafte Maler, Bildhauer, Kunsthandwerker und Fotografen ihre Ateliers haben.

Eine von ihnen ist die Künstlerin Ines Waldbrunn, die auf 300 m² ihr Atelier mitsamt Galerie in einer denkmalgeschützten Hofanlage im ältesten Dorfteil Worpswedes eingerichtet hat. »Hexenküche« nennt sie ihre Werkstatt, in der nicht nur fantasievolle und farbintensive Öl-, Acryl- oder Kreidebilder sowie interessante Objekte und Zeichnungen entstehen, sondern in der die Künstlerin auch mit außergewöhnlichen Materialien experimentiert: mit ungereinigtem Bienenwachs, Harz, Asche, Leimen und Kaffeesatz! Das spielerische Moment ist ihr sehr wichtig, was nicht bedeutet, dass Anfänger sofort experimentieren müssen, bevor sie den ersten Pinselstrich getan haben. Oft jedoch entsteht Neugierde beim Rundgang durch Atelier und Galerie. Dann wirken Hasenleim und Kolophonium nicht mehr abschreckend, sondern geradezu infektiös.

Talente entdecken

»Ich begleite Menschen in ihren individuellen Malprozessen«, so Waldbrunn. Ob es sich um Anfänger oder Fortgeschrittene handelt, ob jemand lieber in Öl malt oder in Aquarelltechnick, er Collagen mag, Landschaften gestaltet oder sich an Abstraktionen versucht, es spielt keine Rolle. »Manche Menschen haben ein Bild im Kopf, schaffen es aber nicht, dieses umzusetzen«, erzählt die 1953 geborene Künstlerin, die zuerst als Gestaltungstherapeutin tätig war, sich später ganz der freien Kunst widmete und seit dem Jahr 2000 mit einem Atelier in Worpswede ansässig ist. »Ihnen helfe ich, indem ich die richtige Technik vermittle und einige Tricks und Verarbeitungsmöglichkeiten verrate. Es kommen Schüler zu mir, die zwar gegenständlich zeichnen können, aber den Sprung in die Abstraktion suchen.« Wichtig ist ihr, in kleinen Gruppen zu arbeiten, um individuell auf jeden eingehen zu können. Manchmal melden sich aber auch Leute vom Fach, Grafikdesigner etwa, die überwiegend am Computer sitzen. Ihnen versucht sie dann einen kreativen Input zu geben.

Intensive Momente

Überall Pinsel, Flaschen, Tuben, Farben und Paletten … alleine die Atmosphäre des Ateliers beflügelt schon. Kein Wunder also, dass sich selbst Urlauber ad hoc zu einem Kurs entscheiden, dass manch einen die unbändige Lust befällt, endlich zu Pinsel und Farben zu greifen.

Auch wenn die eigenen Stillleben nicht von Worpswede aus direkt in den Louvre wandern, Versagensängste sind gänzlich unbegründet. Malen hat meditativen Charakter, führt Menschen zu sich selbst, bietet intensive Momente – und macht einfach Spaß! Jeder wird am Ende des Unterrichts mit einem Kunstwerk unterm Arm das Atelier verlassen. Wenn es dann demnächst den eigenen Hausflur ziert – ein schöner Erfolg!

»Bierernst geht es bei mir jedenfalls nicht zu«, versichert Waldbrunn. Bei schönem Wetter kann, wer mag, im idyllischen Außen bereich tätig werden. Als Anschauungsobjekte und Orientierungshilfe dienen unter anderem die vielen unterschiedlich gestalteten Arbeiten der Künstlerin, unter dem gemeinsamen Dach von Wohnhaus, Atelier und Galerie. Und oft sind die Schüler tief beeindruckt über das, was Ines Waldbrunn mithilfe von Pigmenten, Wachs und nicht endendem Ideenreichtum geschaffen hat. Also nichts wie Farben mischen, Pinsel wässern, genau zuhören und – ganz wichtig! – genau hinsehen! Magie ist nicht im Spiel. Eine »Hexenküche« schon.

Infos Malen in Worpswede

Kontakt: Atelier Ines Waldbrunn, Bauernreihe 6 (Eingang Wintergarten), 27726 Worpswede, Tel. 0 47 92/ 95 16 36, www.ines-waldbrunn.de. Ines Waldbrunn erteilt Anfängern, Neugierigen und Fortgeschrittenen Unterricht – alleine oder in der Gruppe (max. 5 Pers.), am Wochenende, im Urlaub oder regelmäßig. Preisbeispiel: Wochenendseminar mit 12 Std. 180 €.
Lage und Anfahrt: Niedersachsen. Worpswede liegt nordöstlich von Bremen und ist zu erreichen über die A 1 und A 27 oder B 73 und B 74.
Essen und Unterkunft: Eine der schönsten Übernachtungsmöglichkeiten bietet der Buchenhof. erbaut von dem Künstler Hans am Ende. Die idyllisch im Grünen gelegene, charmante Jugendstilvilla verspricht erholsame Ferien. Ostendorfer Str. 16,27726 Worpswede, Tel. 0 47 92/9 33 90, www.hotel-buchenhof.de.
Der Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler hat zu Beginn des 20. Jhs. den Worpsweder Bahnhof entworfen. Heute befindet sich hier ein empfehlenswertes Restaurant. Serviert werden Tafelspitz vom Moorrind ebenso wie liebevoll zubereitete vegetarische Gerichte. Bahnhofstr.17, 27726 Worpswede, Tel. 0 47 92/10 12, tgl. 12-24 Uhr.

farbeWorpswede: Inspiration für Freizeitmaler

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