Wichtigster Ausrüstungsgegenstand des Klettersteiglers ist sein Set! An ihm hängt er – und damit im Falle eines Sturzes auch sein Leben. Moderne Qualitätssets sind nicht billig, garantieren aber ein hohes Maß an Sicherheit.

In jüngerer Zeit – eine Folge des Ferrata-Booms – sind die Klettersteigsets in einigen entscheidenden Punkten weiterentwickelt und verbessert worden: Es gibt keine Knoten mehr (die aufgehen können), das Einfädeln am Gurt erfolgt kinderleicht mittels Ankerstich, die Gesamtarchitektur des Sets garantiert durch die Y-Form doppelte Sicherheit, die Schnappkarabiner haben ausgeklügelte Sicherheitsvorrichtungen und Sturzenergieabsorber reduzieren den Fangstoß.

Bei modernen Sets sind alle Verbindungsstellen vernäht. Bei einigen Produkten werden die Nahtstellen sogar eingeschweißt, um sie vor Feuchtigkeit und mechanischen Beschädigungen zu schützen. Die Verbindung mit den Karabinern wird durch Klammern oder Ösen fixiert. Camp und AustriAlpin verwenden eine originelle Idee- elastische Bänder zwischen Karabiner und Seilbremse. So kann man nicht mehr mit dem Knie in ein durchhängendes Seil steigen. Andere Hersteller verpacken das Nachlaufseil gleich in ein Säckchen, bei manchen Produkten findet man am Seilende eine Befestigungsvorrichtung (Schnapper).

Info: In vielen Ferienorten kann man die Klettersteigausrüstung auch mieten. Das ist ideal für all jene, die erst einmal ausprobieren wollen, ob sie sich für diese Art des Bergsports auch begeistern können.

Klettersteigset

Klettersteigset

Der Sturzenergieabsorber (Seilbremse)

Auf Klettersteigen geht man »am kurzen Seil«: Bei einem Sturz ist kaum (elastisches) Seil vorhanden, das die Fallenergie abfedern bzw. aufnehmen kann. Klettersteigstürze sind entsprechend wesentlich »härter« als Stürze beim Klettern in Seilschaft. Deshalb sind die Klettersteigsets mit einer so genannten Seilbremse ausgerüstet. Sie übernimmt die Funktion des langen Seils: Bei einem Sturz läuft ein Seilstück (gebremst) durch ihre Öffnungen, sodass der Fall nicht abrupt, sondern mit Verzögerung zum Stillstand gebracht wird und der Fangstoß auf Körper und Material verträglicher ausfällt.

Wichtig: Keinesfalls ein Klettersteigset ohne Seilbremse kaufen – auch wenn’s deutlich billiger ist! Es geht hier um Sicherheit, im Fall eines Sturzes möglicherweise um’s Überleben. Das Bremsseil ist so unterzubringen, dass es beim Klettern nicht stört. Dabei darf auf keinen Fall der Bremsweg (etwa durch Knoten) verkürzt werden!

Y-Form

Heute werden Klettersteigsets praktisch nur noch in der Y-Form angeboten. Sie bietet höhere Sicherheit, weil zwei Karabiner eingehängt werden und man auch beim Umhängen (mit einem Karabiner) gesichert ist. Bei der alten V-Form kommt ein Karabiner ans Seil, das zum zweiten Karabiner führende Seilstück dient als Bremsseil im Falle eines Falles. Werden beide Karabiner eingehängt, verliert die Seilbremse ihre Funktion und ein Sturz wäre extrem gefährlich. Vor allem in Steilpassagen bieten zwei eingeklinkte Karabiner wesentlich mehr Sicherheit, weil bei einem Sturz immer die Gefahr besteht, dass ein Karabiner beim Kontakt mit der eisernen – und möglicherweise scharfkantigen – Verankerung bricht.

Wichtig: Wer ein neues Klettersteigset erwirbt, sollte aufjeden Fall eines in Y-Form wählen: Es bietet wesentlich mehr Sicherheit.

Karabiner

Zu jedem Set gehören zwei Karabiner. Sie sind heute so konstruiert, dass sie nur über einen Verriegelungsmechanismus zu öffnen sind. Sehr gut gelöst ist das beim Modell Attac von Salewa. Das Seil bzw. das Band wird durch eine Öse geführt oder mit einer Klammer fixiert, damit es nicht um den Karabiner »wandert«. Kletterkarabiner eignen sich nur sehr eingeschränkt für Klettersteige; sie besitzen keinen speziellen Sicherungsmechanismus.

>> Befestigung: am Klettergurt wird das Set mittels Ankerstich befestigt. Einige Hersteller fädeln die Bandschlinge bloß in die Seilbremse ein, bei den meisten ist sie allerdings eingenäht und kann sich also nicht lösen (oder vielleicht sogar verloren gehen).

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Anseilgurte

Da scheiden sich die Geister! Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Kombigurt oder Hüftgurt oder Hüftgurt in Verbindung mit einem Brustgurt. Kombigurte lassen sich oft nicht sehr gut anpassen und das »Einsteigen« ist recht umständlich. Ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort bietet die Verbindung von Hüft- und Brustgurt; zunehmend populär wird jedoch auch die alleinige Ver- wendung eines Hüftgurtes (in Frankreich die Regel), was bequemer ist und Gewicht spart. Es ist dabei aber zu bedenken, dass im Fall eines unkoutrollierten Sturzes ein größeres Verletzungsrisiko besteht.

Achtung: Völlig ungeeignet zur Selbstsicherung ist die alleinige Verwendung eines Brustgurtes!

Helm

Auf manchen Klettersteigen besteht erhebliche Steinschlaggefahr. Entsprechend wichtig ist deshalb, dass man seinen Kopf schützt. Dazu dient der Helm (aber nur, wenn man ihn aufsetzt!). Er bewahrt auch bei ungeschickten Bewegungen vor schmerzhaftem Kontakt mit hartem Ge- stein. Moderne Modelle weisen einen hohen Tragekomfort auf und wiegen nur noch ein paar hundert Gramm. Wichtig ist ein guter Sitz: Der Helm darf nicht herumrutschen und der Kinnriemen soll nicht einschneiden. Man überzeuge sich beim Kauf, dass der Steinschlaghelm Belüftungsschlitze auf- weist, innen gut gepolstert ist und problemlos der Kopfgröße und -form angepasst werden kann.

Seilrolle

seilrolle

Seilrolle

Dem Trend zu »Fun und Action« folgend werden zunehmend Artistikelemente in Klettersteige eingebaut – wie etwa Tyroliennes. Für die luftige Fahrt am Drahtseil benötigt man eine Seilrolle, die in manchen Fällen auch von den Betreibern gestellt wird (gegen Gebühr, in Frankreich oft der Fall). Petzl bietet zwei Modelle an (Tandem Speed und Tandem Cable).

Handschuhe

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. So gibt es heute spezielle Klettersteig-Handschuhe, bei denen ähnlich den Rennradler-Handschuhen – die Finger- spitzen frei bleiben. Wichtig sind ein guter Sitz mit Handgelenksabschluss und eine ausreichende Polsterung im Bereich der Hand- fläche. Sie sollte allerdings nicht so dick sein, dass man jedes Gefühl für’s Eisen einbüßt.

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Ein Kommentar zu “Das richtige Klettersteigset”

  1. Sonja sagt:

    Auch wenn die Klettersteig-Sets immer besser werden, sollte man vor dem ersten Klettersteiggehen am besten einen Klettersteig Kurs machen. Da lernt man dann auch, wie man die Ausrüstung richtig einsetzt und was sonst noch alles wichtig ist.

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