Wirklich gute Bildkompositionen sind kein Zufallsprodukt. Im Urlaub auf den Auslöser drücken kann jeder. Ein wahrer Fotograf hingegen bildet nicht nur die gerade vorhandenen Begebenheiten eines Ortes oder Moments ab. Er inszeniert sie. Ob Landschaften, Menschen oder Objekte: Alles kann nach dem eigenen Geschmack komponiert werden. Man muss nur wissen wie. Wir geben Ihnen einige Regeln mit an die Hand.

Im Gegensatz zum technischen Aspekt des Fotografierens, lassen sich die Parameter einer guten Komposition nicht so einfach kontrollieren. Belichtungszeit, Weißabgleich, Blende und Fokus haben viel mit allgemeingültiger Mathematik zu tun. Die Bildkomposition hingegen trägt immer eine subjektive Note, die ganz allein der Macher des Bildes geprägt hat.

Sie wird durch das persönliche Empfinden von Formen, Farben und nicht zuletzt der individuellen Weltanschauung bestimmt.
Dennoch gibt es einige hilfreiche Regeln, die einem in vielen Kulturkreisen geltenden ästhetischen Empfinden entstammen. Wenn Sie diese kennen, stehen die Chancen gut, dass auch Sie ausgewogene und interessante Bildkompositionen gestalten. Vergessen Sie jedoch nicht, dass manche Regeln gemacht wurden, um gebrochen zu werden. Auch wenn zum Thema Komposition bereits viele gute Bücher geschrieben wurden, muss jeder Fotograf irgendwann selbst ein Gespür für Bildkompositionen entwickeln. Denn die Fotografie ist immer etwas Persönliches. Dabei geht es um Ausdruck, Stimmungen und Emotionen.
Beginnen Sie mit der Überlegung, welche Bildelemente einer Szene Sie in Ihrem Bild festhalten möchten. Die Maxime „Weniger ist mehr“ trifft in den meisten Fällen zu. Gestalten Sie Ihren Bildausschnitt so einfach wie möglich. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.
Zu viele Bildelemente, die aus jeder Ecke um die Aufmerksamkeit des Betrachters buhlen, werden von den meisten Menschen eher als störend empfunden. In der Praxis bedeutet das, dass Sie für eine gelungene Komposition einerseits viel Geduld aufbringen und auch einmal warten müssen, bis die Sonne am Horizont den perfekten Punkt erreicht hat oder störende Menschen ihren Bildausschnitt verlassen haben. Andererseits kann es bedeuten, dass Sie richtig ackern müssen, bis Sie die
perfekte Komposition arrangiert haben.

Der richtige Blickwinkel

Ein Bild kann sich nämlich dramatisch verändern, je nachdem, ob Sie beispielsweise von oben (Vogelperspektive) oder von unten (Froschperspektive) fotografieren.
Gehen Sie also in die Knie, legen Sie sich auf den dreckigen Boden oder klettern Sie auf einen hohen Baum:
Wenn sich das Bildergebnis dadurch enorm verbessert, lohnt es sich. Zum Beispiel eine Wendeltreppe von oben fotografiert hebt ihre Höhe und Struktur hervor. Statuen oder Wolkenkratzer wirken aus der Froschperspektive oft imposanter. Auch ein paar Schritte näher ran oder weiter weg können die Bildaussage genauso variieren wie die Veränderung der Perspektive.
Wählen Sie beispielsweise die niedrige Brennweite eines Weitwinkelobjektivs, um mehr Tiefe in eine Landschaftsaufnahme zu bekommen. Damit integrieren Sie mehr vom Vordergrund ins Bild, wodurch Sie die scheinbar zum Horizont hin zusammenlaufenden vertikalen Linien hervorheben. Weiter entfernte Objekte werden mit Hilfe einer geringen Brennweite stark verkleinert dargestellt und erscheinen so in noch weiterer Ferne.
Wenn Sie Ihre Kamera ein Stück schräg nach oben ziehen, verstärken Sie den Eindruck von Tiefe nochmals.

Linien und Formen

Überprüfen Sie für ein optimales Ergebnis, ob die zusammenlaufenden Linien im Sucher auf die Bildmitte zulaufen. Linien sind übrigens nicht allein für die Bestimmung der Perspektive essentiell: Sie führen auch den Blick des Betrachters. Neben der klassischen Horizontlinie einer Landschaftsaufnahme, an der sich alle anderen Bildelemente ausrichten, kann ein Foto auch durch viele weitere Linien geprägt werden: Äste, Türme, Gebäude, Menschen, Strukturen, Kräne,  Hochspannungsleitungen, aber auch Gesichtszüge und vieles mehr.
So sehr Linien den Blick des Betrachters leiten können, so leicht können Sie ihn auch irritieren und aus dem Bild heraus führen. Überlegen Sie gut, welche Linie in Ihrer Komposition welche Funktion übernehmen soll, und ob Sie diese tatsächlich integrieren oder nicht vielleicht besser weglassen. Berücksichtigen Sie auch Blickwinkel und Perspektive. Schräge Linien vermitteln
Dynamik, Kurven wirken harmonisch. Winkel erzeugen wiederum Unruhe.
Neben der Linie sind andere geometrische Formen, die durch Licht, Farben oder Schattierungen entstehen, ebenfalls interessante Gestaltungselemente für ein gelungenes Bild. Der lang gezogene Schatten einer Person auf einer Mauer kann einer Komposition Spannung verleihen.

Beim Komponieren von Formen können Sie Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Suchen Sie in eigentlich eindeutigen Motiven wie Bäumen, Früchten oder Wolken nach ungewöhnlichen Formen, die einem aufmerksamen Betrachter erst beim zweiten Blick auffallen.

 

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Ein Kommentar zu “Richtig gute Fotos machen – So gehts!”

  1. sonnenschirme ampelschirme sagt:

    Nur kurz noch zur Ergänzung: Je nach Lichtverhältnis reicht es oft, einen einfachen Schirm für Porträt-Fotos mitzunehmen. Jeder Fotograph kennt ja das Problem, dass irgendwo zwar eine richtig gute Stelle gefunden wird (schöne Lichtung, Berge oder Wald im Hintergrund, etc.). Jetzt will man einen Menschen ablichten und die Sonne scheint von allen Seiten zu kommen. Hier einfach zwei Sonnen- oder auch Regenschirme hinstellen. Man mag nicht glauben, was das bewirkt 🙂

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