Vorsicht Suchtgefahr! Wer einmal im Formelwagen unterwegs war, wer auf einer der deutschen Formel-1-Rennstrecken Gas gegeben hat, mit dröhnendem Motor und 200 km/h auf die Haupttribüne zugerast ist und sich dabei wie Michael Schumacher gefühlt hat, der möchte das wieder und wieder tun. Garantiert. Der legendäre Hockenheimring in Baden- Württemberg bietet Motorsportfreunden die Möglichkeit, sich den ultimativen Kick zu holen. Runde um Runde.

Dass es meist Männer sind, die sich hier einen Kindheitstraum erfüllen, weiß Nicole Dancz, die am weltberühmten Hockenheimring solche »Rennen« begleitet, nur zu gut. »Dabei”, lacht sie, »können Frauen das auch.« Klar! Aber es sind überwiegend Männer, die sich mit leicht feuchten Händen in den feuerfesten Overall zwängen und dann leuchtende Augen bekommen, wenn sie in voller Rennfahrermontur – mit Helm und Spezialschuhen – dastehen.

Einweisung am »Striptease-Car«

Doch bevor es bei einem Schnupperkurs hinausgeht auf den Ring, führt der Teamchef die kleine Gruppe zum Striptease-Car! »Oben ohne« ist deshalb so prima, weil die Schumi-Fans hier einen perfekten Blick ins Innere des Formel-Opel-Lotus werfen können und eine Einweisung in die Technik des Rennwagens erhalten. Wer bislang geglaubt hat, ein solches Fahrzeug sei besonders komfortabel, der irrt: weder ABS noch Servolenkung, ja noch nicht einmal einen Tacho haben die Fahrzeuge. Klar, dass man die Fahrzeuge für die Rennfahrer von der Länge her exakt anpasst. Für Touristen-Rennfahrer, die mal klein und mollig, mal dünn und lang sind, ist ein solcher Service nicht möglich. Aber mit Po- und Rückenpolstern bekommt man es hin, dass die FreizeitPiloten gut sitzen und richtig sehen.

Adrenalin pur!

Endlich geht es hinaus auf die Piste. Es riecht nach Öl, Gummi und Abgasen – für den Au tofreak ei n himmlisches Gemisch. Anschnallen, es wird ernst. Der Wagen wird von einem Techniker gestartet, der Trainer gibt die Anweisung: »Bitte ersten Gang einlegen!« Man muss sich umgewöhnen: Der Schaltknüppel sitzt woanders, die Schaltung ist sperriger, eine völlig andere Form des Autofahrens. Dann geht es los. Das Team – maximal fünf Teilnehmer – rollt auf den Hockenheimring. Voraus fährt der Trainer, den man keinesfalls überholen darf. Und jetzt heißt es Gas geben: von 0 auf 100 km/h in vier Sekunden. Adrenalin pur! »Es ist nicht die Geschwindigkeit, es ist die Beschleunigung, die den Kick gibt«, erläutert Dancz. »Die mögliche Höchstgeschwindigkeit bei der Formel 1 von etwa 330 km/h erreichen wir ohnehin nicht, aber wir fahren so schnell, wie es die teilnehmende Gruppe zulässt. Wir wollen keine Toten auf dem Ring haben, sondern dass die Leute Spaß haben.« Und den haben sie. Da der Trainer vorausfährt, folgt man ihm auf der Ideallinie, lernt die Kurven richtig anzubremsen. »Ein irres Gefühl, absolut spitze«, so die Fahrer, wenn sie mit hochrotem Kopf nach 20 Minuten wieder aus den PS-starken Fahrzeugen klettern. Vorausgesetzt man hat sich an die Regeln gehalten, denn »wer sich auf der Strecke danebenbenimmt, der wird ausgebremst und muss den Törn abbrechen«, mahnt Dancz.

Im Renntaxi

Falls Sie nicht gleich selbst das Steuer eines dieser bissigen Rennwagen übernehmen möchten, können Sie auch ein Taxi bestellen. Ein Renntaxi! Das Feeling, wenn es auf die nächste Kurve zugeht, ist ebenfalls umwerfend. Warum bremst der nicht? Das kann gar nicht gut gehen. »Wenn wir schon hundertmal abgebremst hätten, schaltet der Rennfahrer noch einmal hoch«, lacht Nicole Dancz. Und in der Tat: Es sind die Fliehkräfte und die Verzögerungen, die das ultimative Erlebnis ausmachen. Und wenn man bereits die Hoffnung aufgegeben hat, dann tritt der Pilot in die Bremsen. um Gerade noch mal gut gegangen. Unsinn! Es geht immer gut. Ganz sicher! Denn hier fahren Profis. Und die haben eine Leidenschaft: für ganz schnelle Autos. Für Leichtsinn ist da kein Raum.

Infos Hockenheimring

Kontakt: Hockenheim-Ring GmbH, Motodrom, 68766 Hockenheim, Tel. 0 62 05/95 00, www.hockenheim ring.com. Schnupperkurs mit zwei Törns à 20-25 Min.: 495 €. Auch mehrstündige Perfektionskurse buchbar. Renntaxi je nach Autotyp: 178-228 €.
Lage und Anfahrt: Baden-Württemberg, südwestlich von Heidelberg. AS, Ausfahrt AS 39 Walldorf, über B 39, der Beschilderung folgen.
Voraussetzungen/Ausrüstung: Mindestalter 18 Jahre; Pkw-Führerschein; keine gesundheitlichen Einschränkungen (z. B. Herz-/Kreislauf-Erkrankungen oder chronische/akute Wirbelsäulenveränderungen); max. Körpergröße 1,95 m. Bequeme Kleidung; die Ausrüstung wird gestellt; beim Renntaxi gilt kein Mindestalter, wohl aber eine Mindestgröße von 1,40 m.
Essen und Unterkunft: Ein exquisites Hotel, von dessen Restaurants aus Sie das Geschehen auf der Rennbahn mitverfolgen können, ist das Hockenheim-Ring Hotel und Gastronomie GmbH. Motodrom, 68766 Hockenheim, Tel. 0 62 05/29 80, www.hockenheimring.com.
Wo noch? Ähnliche Angebote wie in Hockenheim gibt es auf dem Sachsenring: Verkehrssicherheitszentrum Sachsenring, Am Sachsenring 2, 09353 Oberlungwitz, Tel. 0 37 23/6 53 30, www.sachsenring.de.

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