Interview mit Holger Bismann von Patagonia

Die besten Produkte herzustellen und  dabei nicht unnötig die Umwelt zu belasten – diesen Anspruch  hat sich der Outdoorhersteller Patagonia offiziell auf  seine Fahnen geschrieben. Was genau tun Sie?

Holger Bismann: Dass alle Produkte von Patagonia nach streng ökologischen Kriterien hergestellt werden, versteht sich fast schon von selbst. Wir gehen noch einen Schritt weiter: Mit der Verwendung von neu enrwickelten Materialien wie z. B. Recyclingpolyester, das aus wiederverwerteten Plastikflaschen hergestellt wird, nehmen wir weltweit eine Vorreiterrolle in der Branche ein. Außerdem unterstützt das Unternehmen auch aktiv Aktionen wie »1 % for the planet«, indem es ein Prozent seines Umsatzes an ein internationales Netzwerk von Umweltschutzorganisationen spendet.

Seit letztem Jahr gibt es in Ihrer Firma die sogenannten Footprint Chronicles, da kann man alle Arbeitsschritte vom Design bis zur Auslieferung eines Produkts und ihre Auswirkungen auf die Umwelt nachverfolgen. Wie groß ist das Interesse daran?
Das Interesse wächst, ich glaube sogar, dass wir damit einen gewissen Schneeballeffekt erzielen. Jedenfalls bin ich überrascht, wie viel Feedback kommt. Die Menschen schätzen unsere Transparenz. Wir sind eine authentische Firma und wollen natürlich auch das Nachdenken der Konsumenten beflügeln. Unser Gründer Yvon Chouinard ist superengagiert, bei ihm ist Umweltschutz Herzenssache, er gibt dieses Jahr drei Millionen Dollar an Umweltprojekte.

Nachhaltigkeit ist ja zu einem beliebten Schlagwort geworden. Wie weit ist der Konsument?
Es sitzt schon sehr im Bewusstsein der Menschen, aber es gibt regional noch große Unterschiede. Der Deutsche, der Schweizer, der Skandinavier ist da schon einen Schritt weiter als andere. Besonders die, die in die Natur gehen, schauen schon: Wo kommen die Produkte her, wie werden sie hergestellt, wie wird dabei die Umwelt belastet? Da ist einiges ins Rollen gekommen, jetzt brauchen wir noch mehr Aufklärung.

Müssen umweltschonend hergestellte Produkte teurer sein?
Im Prinzip nicht. Wenn man allerdings 100 Prozent recycelbare Produkte oder Produkte aus 100 Prozent recyceltern Material anbieten will, wird es eng. Da entsteht einfach mehr Aufwand, um Rohmaterialien zu beschaffen oder Produktionsprozesse sauber zu halten. Das macht Produkte zwischen 5 und 10 Prozent teurer. Das fangen wir über geringere Gewinnmargen auf und sehen es als Umweltsteuer.

Welche Bedeutung haben die Lohas, also jene, die gesund leben und für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit eintreten wollen?
Es ist eine interessante Zielgruppe, besonders für uns, sie könnten Patagonia-Mitarbeiter sein. Bei uns vertreten der Großteil der Mitarbeiter diese Philosophie. Sie leben bewusst und gesund, kaufen ihre Lebensmittel wahrscheinlich nicht im Supermarkt und schätzen nachhaltige Produkte.

Als Managing Director von Patagonia sind Sie außerdem aktiv in der European Outdoor Group, zu der sich die 50 renommiertesten Outdoorfirmen zusammengeschlossen haben, und stehen der Association for Conservation vor. Was tun diese Firmen gegenwärtig, um sich für die Umwelt nützlich zu machen?
Es ist ein guter Anfang gemacht worden.

Das klingt jetzt so, als wäre da noch mehr möglich und nötig.
Ja, und ich sehe es jetzt auch als meine Aufgabe an, hier weitere Impulse zu setzen. Ich möchte gerne viele andere begeistern, bei
uns mitzumachen: nicht nur Hersteller, auch Rerailer, also SPOrtgeschäfte. In Deutschland gibt es immerhin 3000. Wenn die alle Mitglied würden – das wäre eine tolle Sache.

Welche weiteren Innovationen sind von der Outdoorbranche zu erwarten?
Bei den Textilien erwarte ich keine Riesensprünge mehr, die Produkte haben ja schon sehr hohe Qualität. Im Bereich Equipment
geht die Technologie sicherlich immer weiter. Unser Ziel ist, einmal 100 Prozent nachhaltige, recycelbare Produkte zu haben. Im Mo-
ment liegen wir bei 75 Prozent.

Wie erklären Sie die Faszination Outdoor?
Wir leben in einer Welt des Konsumierens. Mit der Zeit ist es sehr ermüdend, stets irgendwelchen materiellen Werten interherzurennen. Jetzt besinnen sich offensichtlich viele Menschen und kehren zu gesünderen Werten und einem ausgeglichenen Lebensstil zurück, also zurück zur Natur.

Die Natur ist Ihr Metier. Welches ist für Sie persönlich das schönste Stück Natur?

Da möchte ich mich nicht festlegen. Ich habe acht Jahre in Holland gelebt. Dort gibt es zwar keine Berge, aber dafür das Meer und ganz charmante Dörfer – das ist für mich auch Narur. Ich mag es gerne, mich im Einklang mit der Natur zu bewegen – und zu erschöpfen. Wenn ich irgendwo mit dem Auto einen Pass fahre, denke ich: Mensch, wäre das geil, hier jetzt mir dem Rad hochzufahren. Ich liebe es extrem, manchmal radle ich 250, 300 Kilometer an einem Tag. Und wenn ich es schaffe, fahre ich morgens mit dem Rennrad zur Arbeit und abends zurück.

Wie lange sind Sie da unterwegs?
Eineinhalb Stunden hin, eineinhalb Stunden zurück. Wunderbar.

Quelle: SAZ “Ökologische Bekleidung in der Outdoorbranche”

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Alles Öko oder was?

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Ein Kommentar zu “Ökobekleidung – Patagonia Outdoor-Bekleidung”

  1. Gawlowski sagt:

    Hallo
    Ich habe vor 4Jahren eine Regenjacke in Augsburg gekauft, die sich nun lagsam aufzulösen scheint(Membram löst sich in der Kaputze und die Näte in den Taschen lösen sich). Es ist eine geklebte, wunderbar leichte Jacke (orange-orange farbig). Ich hatte sie in den verregneten Sommer gekauft in dem Bergwanderungen unmöglich waten. Leider kann ich meine Quittung nicht mehr finden.
    Im Adventure Laden in Freiburg sagt man mir ich könnte zu Ihnen direkt Kontakt aufnehmen und fragen was ich da machen kann.
    Über eine Antwort würde ich mich freuen.
    Liebe Grüße
    B. Gawlowski

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