Eine traumhafte Reise, atemberaubende Landschaften, ungewöhnliche Tierbegegnungen fantastische Abendstimmungen, aber mittelmäßige Bilder, unscharf, etliche überbelichtet, der gewählte Ausschnitt: na ja. Schade? Nein, richtig ärgerlich! Muss aber nicht sein. Denn es gibt Fotografen, die Ihnen nicht nur Profi-Know-how vermitteln, sondern die Sie gleich mit auf Fotosafari nehmen. Claus Brandt ist ein solcher Profi. Es muss nicht Afrika sein, ein paar Tage Helgoland tun’s auch. Hier kann man beste Tierfotos machen. Genau wie in »Wildtierland« am Stettiner Haff! Doch dorthin reisen Sie dann alleine!

Helgoland

Wie erkläre ich bloß dem einen bestimmten Basstölpel auf dem berühmten Vogelfelsen, dass er mein Motiv ist? Ich habe ihn im Visier, die Kamera ruht auf dem Stativ. Alles ist genau eingestellt, Sonne im Rücken, Belichtung und Tiefenschärfe okay. Tier rangezoomt! Nur der blö … Vogel sitzt nicht still! Immer, wenn ich gerade abdrücken möchte, beginnt er sich aufzuplustern und das Gefieder zu putzen. Oder guckt gerade einer Basstölpeldame nach. Oder hebt die Schwingen und macht sich sang- und klanglos davon – raus aus meinem Fokus. Klar, die Tierfotografie gehört zu den schwierigsten Bereichen, das weiß auch Claus Brandt. Dennoch gelingt es dem Fotografen, einzigartige Momente mit der Kamera einzufangen – schneeweiße Basstölpel im Flug, mit Beute im Schnabel … Und es stimmt der Hintergrund, blauer Himmel, bei dem Vogel erkennt man sogar die Wassertropfen im Federkleid. Unglaublich! Wie macht der Mann das bloß?

Ohne an dieser Stelle in die technischen Details abdriften zu wollen (das überlassen wir dem Meister lieber selbst): Brandt ist gar nicht scharf auf einen Basstölpel, der maskenhaft erstarrt wirkt. Lebendig müssen die Motive sein, und wann ist ein Basstölpel lebendiger, als wenn er jagt? Klingt logisch. Klappt nur in der Praxis meist nicht. Noch nicht! Denn wofür bucht man solche Reisen? Schon mehrfach ist Brandt mit einer Gruppe auf Helgoland gewesen, und jedes Mal sind auch seine Schüler mit Topfotos heimgekehrt. Klar, am Wetter kann er nicht drehen. Da wäre Namibia sicherer. Und doch: Auch diesige und nebelverhangene Nordseeinseln haben ihren Reiz.

Motive in Hülle und Fülle

Spaß machen solche Touren auf Deutschlands einzige Hochseeinsel rund 70 km vom Festland entfernt, zweifellos. Mit seinen roten Buntsandsteinfelsen, den Vogel- und Kegelrobbenkolonien bietet Helgoland Tiermotive satt. Und natürlich ist man unter sich. Da wird diskutiert und gefachsimpelt: über das beste Objektiv, Brennweiten, den Polfilter. Mit Foto-Klick hat das nichts zu tun. Wer noch nie eine Kamera in der Hand hatte, für den ist eine solche Reise nicht geeignet. Man muss schon gute fotografische Kenntnisse haben und ernsthaft an herausragender Fotografie interessiert sein. Und natürlich Basstölpel mögen. Oder Trottellummen. Denn auch ihnen jagen die Fotografen nach. Im Westen der Insel, auf dem Lummenfelsen, brüten zahlreiche Hochseevogelarten, die Dreizehenmöwe beispielsweise. Es ist Deutschlands kleinstes Naturschutzgebiet – mit der angeblich größten Brutvogeldichte.

Tiere bekommt man hier reichlich vor die Linse. »Viele meiner Kunden fotografieren sehr gut, haben aber wenig Erfahrung mit der Tierfotografie«, erklärt Brandt. »Worum es bei einer solchen Reise geht, ist weniger die Theorie, als die Fotopraxis.«

In der Regel reisen die Teilnehmer mit eigener Kamera an – Mindestbrennweite 300 mm! Und mit einem soliden Stativ. Lockere 1500 bis 2000 Fotos schießt jeder Teilnehmer – pro Tag! Welch ein Glück, dass fast alle Digitalkameras benutzen. »Abends sitzen wir dann zusammen und werten die Fotos aus. Manche Teilnehmer verteidigen Motive, auf denen man gerade noch am rechten Rand ein winziges Füßchen erkennt. »Das Tier hat einfach nicht stillgesessen!« Klar, das kommt Claus Brandt bekannt vor. Er ist ein alter Hase in Sachen Tierfotografie. »Bei den Flugaufnahmen sind meist 80 Prozent Ausschuss«, berichtet er aus Erfahrung. Aller Anfang ist schwer. Außerdem kommt es auf die restlichen 20 Prozent an. Und natürlich steht der Spaßfaktor eindeutig im Vordergrund.

Messerscharfe Tieraufnahmen

Ob das die anderen Touristen auch so sehen, wenn sie das Grüppchen beobachten, das bereits vor Sonnenaufgang das Hotel verlässt, bepackt mit Taschen und Stativen loszieht, um die optimalen Lichtverhältnisse auszunutzen und die Morgenstimmungeinzufangen. Fotofreaks können gar nicht anders.

Ausgesprochen viel Spaß machen die Exkursionen bei Windstärke 5 oder 6, erzählt Brandt. »Da kann man sich oft selbst kaum auf den Beinen halten, aber die Vögel lassen sich so am besten fotografieren.« Warum? Weil die Luftakrobaten dann nicht so schnell sind. Aha! Trick 17 also! Brandt gibt den Teilnehmern auf Wunsch Tipps und Hilfestellungen, auch bei der Motivsuche ist er ein guter Ratgeber. Denn jeder möchte mit messerscharfen Basstölpeln oder Trottellummen im Gepäck wieder nach Hause reisen.

Oder mit Nahaufnahmen der Kegelrobben, die auf der Nachbarinsel Düne beheimatet sind. »Das ist kein Workshop, das ist ja ein Workcamp«, entfährt es da gelegentlich einem Teilnehmer, der mit Sack und Pack durch den tiefen Sand stapft und ins Schwitzen gerät. »Wir hatten auch schon einmal einen Teilnehmer, der Angst vor den Robben hatte und sich am Morgen Mut angetrunken hat«, berichtet Brandt augenzwinkernd. Aber solche Anekdoten gehören eben dazu.

Über das Ziel des jeweiligen Tages entscheidet Brandt meist spontan, je nach Wind und Wetter. Bei Nebel etwa macht der Vogelfelsen keinen Sinn, und bei Regen, der meist nur von kurzer Dauer ist, kann man auch zur Vogelwarte gehen. Fotografiert wird im Allgemeinen sechs bis sieben Stunden pro Tag. Wie es sich für Fotofreaks gehört, die keine Schnappschüssler oder Sonntagsknipser sein wollen, sondern endlich echte Tierfotografen!

Hirsche im Visier – Fotoansitz in Wildtierland

Der eine oder andere möchte das Gelernte sicher bald wieder unter Beweis stellen. Eine atemberaubende Möglichkeit bieten die Hirschtage in Wildtierland. Am Südwestrand des Naturparks Stettiner Haff, inmitten einer sanften Hügellandschaft, liegt das 1000 ha große »Wildtierland«, Refugium für rund 90 Rothirsche, für zahlreiche Füchse, Dachse, Marder, Seeadler und andere Wildtiere, die hier in völliger Freiheit leben – ohne störende Zäune -, und doch besonderen Schutz genießen.

Im Herbst, zur Brunftzeit, bieten sich fantastische Schauspiele: wenn die stolzen Hirsche miteinander in einen erbitterten Kampf um die Rudelführung treten und man ihr eindringliches Röhren schon von Ferne hört. Tierfotografen geraten ins Schwärmen – und schwärmen dann aus, jeweils in Gruppen zu vier Personen, um von einem der überdachten Ansitze aus das faszinierende Schauspiel abzulichten.

»Beim Ansitz begleiten wir lediglich die Gruppe. Einsteigern in die digitale Fotografie empfehle ich unsere Seminare rund um Naturfotografie und Digiscoping«, erklärt Alexander von Schilling von der Deutschen Wildtier Stiftung. »Da man sich den Tieren bis auf eine Entfernung von 150 m nähert, ist eine Kamera mit gutem Teleobjektiv erforderlich. 200 mm Brennweite sind da absolutes Minimum!«

Los geht es am frühen Morgen, um 5 Uhr, oder am späten Nachmittag um 17 Uhr. Denn in der Dämmerung kommen die Tiere aus dem Unterholz, es ist die beste Gelegenheit die scheuen Wald tiere zu erwischen: Hirsche, Füchschen, aber auch Rehe und Wildschweine. Angst? Die braucht man nicht zu haben! Selbst wenn die Hirsche im September in ganz besonderer Kampfeslaune sind: Hören oder wittern sie Menschen, sind sie meist ganz schnell im Unterholz verschwunden. Und dann hat man es wieder: das eine Bein rechts unten im Bildausschnitt. Doch nein! Man ist ja mittlerweile versiert, zumindest dann, wenn man zuvor mit Claus Brandt unterwegs war: auf Helgoland oder …

Wildtierland hat im übrigen zu jeder Jahreszeit Charakteristisches zu bieten – vom ersten Frühlingserwachen über die Blattzeit der Rehe im Sommer, die Brunft der Rothirsche und den Zug der Kraniche im Herbst bis hin zur Spurensuche im verschneiten Winterwald.

Infos Fotoreise Helgoland

Kontakt: FOTOCAMPUS, Claus Brandt, Kaiserstr. 52, 53840 Troisdorf, Tel. 0 22 41/1 68 19 78, www.foto campus.de. Die Reisen finden jeweils von Montag bis Freitag statt. Preis: 765 €. Inbegriffen sind die Überfahrt mit dem Katamaran ab Cuxhaven, vier Übernachtungen mit Frühstück in einem guten Hotel. Mindestteilnehmerzahl: 5 Pers. Über Termine informiert die Website!
Lage und Anfahrt: Helgoland. Mit dem Schiff ab Cuxhaven (2 Std.).

Infos Wildtierland

Kontakt: Deutsche Wildtier Stiftung, Wildtierland, Klepelshagen 2, 17335 Strasburg, Tel. 03 97 53/29 70, www.wildtierland.de.
Termine für Seminare, den Fotoansitz, Safaris, Wildtiersonntage etc. sind auf der Website aufgelistet. Anmeldung erforderlich, für die Hirschtage ist eine frühzeitige Platzreservierung empfohlen. Nach Vereinbarung können das ganze Jahr über Fototermine gebucht werden. Dauer und Preise auf Anfrage (Fotoansitz 2008: 3 Std. 20 €).
Ausrüstung: Stative, Kameras, bei denen man das Blitzlicht und störende Fokussiergeräusche abschalten kann. Man sollte sich in jedem Fall warm anziehen, aber dabei auf Kleidung in Signalfarben verzichten!
Lage und Anfahrt: Mecklenburg-Vorpommern. A 20, Ausfahrt Strasburg (34), dann der grünen Beschilderung »Wildtierland« folgen.
Essen und Unterkunft: Stilvoll wohnt man im Hotel Villa Knobelsdorff in Pasewalk, einer liebevoll restaurierten wilhelminischen Villa samt Gewölbekeller, in dem sich ein empfehlenswertes Restaurant befindet. Ringstraße 121, 17309 Pasewalk, Tel. 03 97 32/09 10.
Wer näher an Wildtierland übernachten möchte, dem sei die Alte Försterei im Landschaftsschutzgebiet Brohmer Berge empfohlen. Malerisch mitten im Wald gelegen, ist sie ein familien-freundliches Ziel mit hellen Zimmern, ebenso Ferienwohnungen und Häusern. Nettelgrund, 17379 Rothemühl, Tel. 0 39 77/22 03 20, www.partes-urlaub.de.
Neben dem Bistro in der sog. Botschaft der Wildtiere in Wildtierland empfiehlt sich das Restaurant Burgwall am Burgwall bei Strasburg. Ob man im rustikalen Jägerzimmer, im Wintergarten oder im idyllischen Biergarten Platz nimmt: Die Küche weiß mit deftigen Fleischgerichten wie Rumpsteak »Modderkuhle« oder Rumpsteak »Fuchsbau« mit Waldpilzen sowie guten Fischgerichten zu überzeugen. Tel. 03 97 53/2 04 18.

hirschAuf Fotosafari

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