Er ist scheu, selten, fleißig und mancherorts ein Ärgernis: der Elbebiber, Europas größtes Nagetier. Sein Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland erstreckt sich inzwischen wieder über die Hart- und Weichholzauen entlang der Mittleren Elbe zwischen der Lutherstadt Wittenberg und Magdeburg. Aber auch die stillen Ufer der Peene in Mecklenburg-Vorpommern sind ein güngstiger Lebensraum für die Tiere. Wer ihn zu Gesicht bekommen will, muss geduldig sein. Die beste Chancen hat man in der Biberfreianlage an der Mittelelbe oder bei einer Bootstour mit kundiger Führung.

Leben in der Knüpperburg

“Castor fiber albicus” pflegt seine Allüren und lässt sich nicht blicken. Da kann die Knüppelburg direkt an der Beobachtungsblockhütte noch so gemütlich sien, da können sich die Zuschauer noch so erwarungsvoll hinter der Plexiglasscheibe drängeln, kein Härchen durchbricht die glatte Oberfläche des Tümpels … Zugegeben, der stattliche Elbebiber ist von Haus aus scheu, überwiegendnachtaktiv und auch noch äußerst eigensinnig: Er bringt in einer einzigen Nacht Bäume mit bis zu 20 cm Stammdurchmesser zum Kippen, und staut Gewässer, wie er es für passend hält. Wegen seines begehrten Pelzes, mit dem sich die Ratsherren zierten, und sienes angeblich heilsamen Drüsensekrets, des Bibergeils, war der Nager im 19. Jh. in Deutschland fast ausgerottent.

Seit knapp 40 Jahren steht er unter Schutz und holt sich zügig geeignete Lebensräume zurück, was ihn bei Waldbesitzern und Landwirten nicht gerade beliebt macht. Im Biosphärenreservat Mittelelbe in Sachsen-Anhalt, wo sich rund 303 km entlang des Flusses Auenwälder erstrecken, lockt eine inzwischen stabile Population Naturfreunde an. Rund 1200 der semiaquatischen Säuger, die bis zu 15 Min. unter Wasser bleiben können, und Gräben, suchen im sumpfigen Gestrüpp nach Nahrung. Zu sehen sind die Tiere nur selten, mit etwas Gluck in der Freianlage beim Infozentrum Auenhaus zwischen Dessau und Oranienbaum.

Dort, im Kernland des alten Preußen, findne sich seltene Pflanzen wie die Wassernuss oder der Schwimmfarn – und immer wieder die Spuren des Bibers: platt getretene Pfade, gefällte Bäumchen und Schleifspuren an den Ufern. Bei schwankenden Wasserständen baut er aus Zweigen, Schlamm und Treibgut Dämme, um so das Fließgewässer bis zum gewünschten Pegel zu stauen. Ausgewachsene Tiere werden bis zu 35 kg schwer und von den Schnurrhaaren bis zum platten Schwanz, der Kelle, stattliche 140 cm lang! Auch wenn der Biber sich nicht immer sehen lässt, so lernt man an der Mittelelbe doch eine Menge über den Nager, und nebenbei über mehr als 150 Brutvogel-, 500 Schmetterlings- oder 26 Weidenarten, die an diesem Flussabschnitt zu entdecken sind.

Beobachter im Boot

Mit Geduld und Spürsinn nähert sich Carsten Enke von der Kanustation Anklam den Bibern an der Peene: Da der rund 100 km lange “Amazonas des Nordes” kaum Gefälle hat, ist das Paddeln in der malerisch schönen Flusslandschaft zwischen Anklam und Stolpe auch für Anfänger kein Problem. Leis gleitet Enke in einem Kajak aus Fiberglas am Ufersaum entlang, gefolgt von Hobbypaddlern im Kanadier, die ihn auf seiner Bibertour in der Dämmerung begleiten. Wer die Ufervegetation aufmerksam im Auge behält, wird bald belohnt: Mal schleppt Castor fiber albicus einen Ast zu seiner Burg, mal kaut er an den Wasserpflanzen oder putzt sich das Fell.

Infos Mitteieibe

Kontakte:
Infozentrum Auenhaus des Biosphärenreservats Mitteieibe, PF 1382, 06813 Dessau, Tel. 03 49 0414 0610, www.biosphaerenreservatmittlereelbe.de.
Biberfreianlage in der Kapenniederung, Tel. 03 49 04/4 06 15. Geöffnet Mai-Okt. Mo-Fr 10-16, Sa, So 11 bis 17 Uhr, sonst nach Absprache.

Lage und Anfahrt: Sachsen-Anhalt. Ausgeschilderte Ausfahrten für Dessau und das Biosphärenreservat an der A 9.

Sehenswertes drum herum: Zahlreiche Auenpfade und Radwege durchziehen die einzigartige Natur- und Kulturlandschaften an der Mittelelbe; Ausflüge in das Gartenreich Dessau-Wörlitz, zur Bauhaus-Architektur oder zur “Wiege der Reformation” in Wittenberg.
Essen und Unterkunft: Eine 4-tägige “Reise in das Biosphärenreservat” mit Halbpension und Ausflugsprogramm ab 240 € pro Person im Doppelzimmer arrangiert das Hotel Zum Stein. Erdmannsdorffstr. 228, 06786 Wörlitz, Tel. 03 49 05/5 00.
Ein optischer und kulinarischer Höhepunkt gleichermaßen ist das Kornhaus Dessau direkt am Elbufer. Im spektakulären Bauhaus-Ambiente kommen u. a. anhaltinischer Rosinenbraten oder ein Mitropa-Teller auf den Tisch. Kornhausstr. 1,06846 Dessau (Ortsteil Ziebigk), Tel. 03 40/6404141, www.kornhaus.de.

Infos Anklam/Peene

Kanustation Anklam, Werftstr. 6, 17389 Anklam, Tel. 0 39 71/24 28 39, www.kanustation-anklam.de. Bibersafari Mai-Sept. Di abends; Erw. 20 €, Kinder 10 €.
Sehenswertes drum herum: Die Hansestadt Anklam ist der Geburtsort des Flugpioniers Otto von Lilienthai, dem ein sehr interessantes Museum gewidmet ist (www.lilienthal-museum.de).
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Biber

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