Vor allem große Jungs erliegen mit bebendem Herzen dem kraftvollen Brummen, Knirschen und Wummern von PS-starken Baumaschinen.

Seit einigen Jahren können sie ihre Kindheitsträume beim Freizeitbaggern in Steinbrüchen und speziellen Actiongrounds Wirklichkeit werden lassen und die Kontrolle über gigantische Tieflöffel, altmodische Seilbagger oder Bandscheiben erschütternde Rüttelwalzen ergreifen. Auch einige Frauen und Kinder genießen dort das gute Gefühl, für ein paar Stunden die Macht an Schalthebeln, Fußpedalen, Joysticks und Steuerknüppeln zu haben:

Ein Tag auf der Baustelle liegt voll im Trend. Die Königsdisziplin heißt »Plattmachen«!

Monsterbagger

Da spritzt der Lehm und rieselt der Schotter. Nichts kann den 50 t schweren Kettenbagger stoppen, wenn er seine Zähne in den Boden schlägt. Normalerweise kommen die stählernen Kraftklötze auf Großbaustellen wie dem Potsdamer Platz in Berlin oder der ICE-Strecke zwischen Frankfurt/Main und Köln zum Einsatz – oder eben auf dem Betriebsgelände von Seibold Erdbau, nördlich von Bamberg in Oberfranken.

An den Wochenenden verwandelt es sich in einen Sandkasten im Giga-Format: Ohne Altersbeschränkung, Konventionen und förmliche Zurückhaltung leben große Jungs und Mädchen hier ihren Spieltrieb aus. Tonnenschwere Ketten- bagger, Tieflöffel aus dem Bergbau, Radlader, Bulldozer und Planierraupen durchfurchen die Kiesgrube.

Für Nostalgiker steht sogar ein Seilbagger bereit. »Diese Typen haben nach dem Krieg Deutschland und die Welt mit aufgebaut. Unermüdlich und solide. Die standen damals auf allen Baustellen«, erinnert sich Firmenchef Gerhard Seibold.

Wer dagegen Giganten bevorzugt, findet im Führerhaus eines über 100 t mächtigen Monsterbaggers seine Erfüllung. Der Demag H 185 ist mit 220 t Gewicht und mehr als 1000 PS Leistung sozusagen der Tyrannosaurus Rex der Gegenwart: Klobig nur auf den ersten Blick, dann aber schnell, wendig und gefährlich, wenn man ihm von der falschen Seite zu nahe kommt. Oder fügsam, wie ein Hündchen beim Apportieren, wenn man die richtigen Knöpfe und Hebel drückt. Sein riesiges Maul schnappt Felsbrocken und Erdhaufen. »Ganz easy und locker! Baggern ist heutzutage kinderleicht«, erläutert der Experte. »Wenn man alle Hebel loslässt, bleibt er einfach stehen, der Arm bremst automatisch ab!« Technisch ein Kinderspiel, optisch aber der Kampf gegen den Giganten …

Die Kontrollmacht über die stählernen Kolosse treibt regelmäßig an den Wochenenden den Adrenalinpegel von Baggerfans hoch bis zum Anschlag. Mit geballter Maschinenkraft Erdhaufen zu versetzen ist doch viel schöner als stumpf im Garten ein mickriges Loch zu schaufeln und dann mit der Schubkarre das Material zu transportieren! Nur mit dem Fingerspitzengefühl beim Bedienen der Schalthebel haben einige Baggerfans anfangs ihre Schwierigkeiten, weshalb vor dem Vergnügen mit den hochtechnischen Dinosauriern die Arbeit mit einem Minibagger zum Eingewöhnen steht. Damit könnte man auch zu Hause einen Gartenteich anlegen. Also: Loch graben, zuschaufeln, zuschieben, einebnen.

Rein technisch ist, so die Fachmänner, ein Kleinbagger deutlich diffiziler zu manövrieren: »Der kann schon mal kippen, wenn man zu leichtsinnig ist. Einen Riesen dagegen wirft überhaupt nichts um.« Nur manchmal wird auf der Baustelle das Material knapp, weil die Wochenendgäste bei ihrem Einsatz an den Schalthebeln nicht mehr zu bremsen sind.

Abstecher ins Museum

Auch wer sich nicht mit hemmungslosem Körpereinsatz und glücklich verschwitzt der Faszination Bagger hingibt, kann bei der Firma Seibold ein paar lehrreiche Stunden verbringen: Im Deutschen Baumaschinenmuseum stehen ordentlich aufgereiht und liebevoll poliert mehr als 100 Riesenwerkzeuge. 11 136 PS Leistung, 1655 t Stahl und 3707 Jahre Baumaschinengeschichte haben die Oberfranken dort zusammengetragen, restauriert und repariert. Darunter befinden sich Raritäten wie der Atlas 1500 aus den 1950er-Jahren, der mit seiner rundlichen Karosserie aussieht wie die Isetta unter den Baggern. Oder ein kantiger Dampfbagger von 1927. Den Menck M4 haben die Baumaschinensammler in einem Geistersteinbruch bei Heidelberg entdeckt. Auch der »Witwenmacher« oder »Halsabschneider«, ein kleiner Radlader ebenfalls aus den 1950ern, sieht harmloser aus, als er im Einsatz wohl war, denn seine Hubarme führen gefährlich nahe am Fahrersitz vorbei …

Männerspielplatz

Das größte Angebot in Deutschland bietet derzeit der Actionground der Firma »Männerspielplatz« in Großalmerode bei Kassel. Trotz des Namens sind hier natürlich auch Frauen mit einem Faible für Baumaschinen willkommen. Kein Bagger ist zu groß für die Ambitionen der Besucher, die ihre frühpubertären Fantasien ausleben wollen, häufig in der Tasche einen Geschenkgutschein von Frau oder Freundin. Das riesige Gelände mit Kieshaufen und Hängen aus Schrott ist ein Paradies für große Jungs – 18 Stationen wollen mit Kraft, Schweiß und Köpfchen bewältigt werden.

Und so halten die Freizeitarbeiter hochkonzentriert eine Rüttelwalze mit Noppenrädern in der Spur, hüpfen mit Quads über Rampen und schwenken munter den Kranausleger zwischen der gigantischen Stapelware. Auch die Rüttelplatte, deren Vibrationen durch Mark und Bein gehen, macht bei Bedarf alles eben. Normalerweise wird sie zum Verdichten von Material eingesetzt, hier sorgt sie für hochfrequentes Gewackel in Muskulatur und Bierbäuchlein, die Ohren allerdings bestens geschützt mit Mickymaus-Schallschützern. Die hohe Kunst des Plattmachens zeigt sich beim Zertrümmern eines Schrottautos mit der Baggerschaufel. Schlappe 175 € kostet das Vergnügen, das durchaus therapeutische Wirkung haben kann.

Die Herren an den Joysticks sind beinahe sprachlos vor Begeisterung: »Diese Kraft, diese Größe, diese Power – das macht einfach Spaß!« Wenn der Matsch spritzt und der Kies rasselt, wenn Steinblöcke rumpeln und Schweiß von der Stirn tropft, dann ist die Auszeit vom Alltag perfekt. Während Familienväter ihre Talente beim Wettbaggern mit dem aufgeregten Sprössling noch nachsichtig drosseln, gibt es kein Halten mehr, wenn sie erst Hand an den Komatsu PC 210 LC legen dürfen. Der hyper- moderne, satte 32 t schwere Kettenbagger ist der Ferrari unter den klobigen Baumaschinen.

Mit verständnisvollem Kennerblick passen die Instrukteure auf, dass sich die Baggerfreunde in ihrer Begeisterung für das schwere Gerät nicht verheben oder gar kippen. Sie wissen nur zu gut, wie sehr seriöse Männer diese Auszeit vom Schreibtisch genießen. Auf dem Männerspielplatz dürfen sie endlich mal ran an den Dreck, in alten Jeans und groben Schuhen: Material bewegen, Motoren aufheulen lassen, zwischendrin kräftig fluchen, sich richtig schmutzig machen und am Ende dreckverschmiert über das Chaos triumphieren! Die liebenden Partnerinnen beobachten verständnisvoll lächelnd, wie sich ihre großen Jungs ins Zeug legen, auch wenn am Montag die Waschmaschine überfüllt ist und die Bandscheiben der Baggerhelden auf dem Bürostuhl schmerzen.

Infos Monsterbagger

Kontakt: Monsterbagger, Seibold Erdbau, Im Stock 11, 96179 Ebing bei Rattelsdorf; Tel. 0 95 47/3 04, www.monsterbagger.de.
Geöffnet März-Dez. Fr 14-18 Uhr, Sa, So, Fei 10-18 Uhr. Mehrtägige Monsterwochenenden inkl. Unterkunft, Benutzung aller Maschinentypen und Geschicklichkeitsbaggern ab 299 €; Arrangement »Power & Styl« als Verwöhnangebot für die (begleitenden) Frauen mit Beautybehandlung in Bamberg ab 75 €. Kinder ab 6 Jahre dürfen in Begleitung eines Erwachsenen Minibagger bis 5 Tonnen Gewicht bedienen. Wer mindestens 18 Jahre alt und in zurechnungsfähigem Zustand ist, darf nach der Einweisung durch die Instruktoren sogar Riesenbagger mit über 200 Tonnen Gewicht bewegen.
Lage und Anfahrt: Oberfranken. Nördlich von Bamberg ist Ebing über die B 4 zu erreichen.
Sehenswertes drum herum: Die historische Altstadt von Bamberg mit Dom, Burg und Fischerviertel »Klein- Venedig« ist ein absolutes Highlight; Ausflüge ins Wandergebiet Fränkische Schweiz bieten Entspannung in der Natur, die zur Veste Coburg oder zur Klosterkirche Vierzehnheiligen jede Menge Kultur.
Essen und Unterkunft: Weltberühmt ist das Kneipenviertel um die Bamberger Sandstraße sowie der Traditions-Brauereigasthof Schlenkerla, wo das Rauchbier ab dem dritten Glas wirklich lecker schmeckt. Dominikanerstr. 6, 96049 Bamberg, Tel. 09 51/5 60 60.
Den besten Blick über die malerische Altstadt hat man von der Terrasse des Cafes in der Altenburg. Auch hier werden deftige fränkische Würste und feine Braten in prächtigen Portionen serviert. Tel. 09 51/5 68 28.

Infos Männerspielplatz

Kontakt: Männerspielplatz, Bogner & Bammer GbR, Ditzenbacher Str, 81, 73342 Bad Ditzenbach/Auendorf,
Tel. 01805-3 35 01 11 00, Tel. 01805-7 37 37 674 7, www.maennerspielplatz.com. Auf dem Actionground des auf Funsport und Veranstaltungen spezialisierten Unternehmens in Großalmerode erschweren bündelweise Arrangements um Bagger, Quadts, Walzen, Kettensägen und Planierraupen ab ca. 100 € die Entscheidung für eine Aktivität. Wer den Aus-flug auf den Männerspielplatz von Freunden oder Verwandten geschenkt bekommen hat, muss die Qual der Wahl nicht mehr fürchten.
Lage und Anfahrt: Nordhessen. Großalmerode liegt 25 km südöstlich von Kassel.
Sehenswertes drum herum: Großalmerode liegt am Rand des Kaufunger Waldes mit Wandermöglichkeiten jenseits von Dieselqualm und Motorenlärm; ein Kurzbesuch in Kassel bietet sich als Alternativprogramm für die möglicherweise gelangweilten Begleiter(innen) auf dem Männerspielplatz an.
Essen und Unterkunft: Die Alte Schmiede in Großralmerode ist eine gemütliche und bodenständige Basis, falls das Löcherbuddeln doch länger dauern sollte … Rathenaustr.7, Tel. 0 60 74/4 27 45.

baggerAb auf die Baustelle!

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Ein Kommentar zu “Ab auf die Baustelle!”

  1. Zur Ergänzung für diejenigen die sich zum Thema mehr süd-westlich orientieren möchten – in der Vulkaneifel Nähe Nürburgring gibts ebenfalls einen “Spielplatz” für kleine und große Bagger- u. Quad Fans ! Mehrere Kettenbagger, ne Menge große ATV´s und eine “Team Ente” (kann nur mit 4 Personen gleichzeitig gefahren werden!!) stehen dort für erlebnisreiche Stunden bereit…Infos und viele Fotos unter http://www.outdooraction-vulkaneifel.de .:)) Viele Grüße, Bodo

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