Mit »Hollerüdijo, holleradijo« gegen den Frust am Arbeitsplatz oder mit dem Balzjodler »Hätt i di, hob i di« auf die Pirsch ins Szenelokal … Wer bei Josef Ecker das Jodeln lernt, hat immer den richtigen kehlig-trillernden Ton parat. »Denn mit einem Jodler kann man sich die Welt ein bisschen schöner juchzen, auch im Flachland«, doziert der Musiklehrer, dessen Jodelseminare seit zehn Jahren begeistert gebucht werden.

Am liegsten holt er sich seine Eltern mit der Seilbahn hinauf auf den 1674 m hohen Gipfel des Hochfelln in den Chiemgauer Alpen. Dort oben, in der klaren Bergluft, machen die Murmeltiere Männchen und lauschen neugierig, was da an Tönen aus den Kehlen perlt: ein locker angetipptes, labiles Gaumen-L oder gar ein flatterndes Zungenspitzen-R mit schnalzendem Endlaut? »Entscheidend ist die Aterntechnik«, sagt Ecker, »und der Energieaufbau. Dann trifft man auch den Ton.«

Triumphierende Gipfeljodler

Nach ersten Erfolgsjuchzern steigern sich die Aufgaben: »Jetzt stolz und anmutig wie eine knorrige Waldtanne stehen!« Auch die Körperhaltung soll zum triumphierenden Gipfeljodler passen. Und das Gesicht muss strahlen wie ein Bergblumenstrauß. Wenn die Schüler das Echojodeln mit Gegenruf beherrschen, lässt der Dozent einen seligen Blick über das inspirierende Panorama schweifen, bevor er weiter vom strammen »joooo« des feschen Jägers und dem lockenden »diiiio« der Sennerin erzählt, die beim Animierjodler dialogisch ineinander klingen, wobei die Frauenstimmen eine Quart über den Männern juchzen.

Erfahrungsgemäß sind die Jodelneulinge nach der Mittagspause nicht mehr zu halten und stehen staunend über die Bandbreite ihrer bisher unbekannten Kopfstimme am Gipfelkreuz. Almjodelrufe in der Tradition der Senner und Holzknechte gehen ihnen schon leicht über die Lippen, ebenso das altbaierische Kinderlied vom »Bibihenderl«, bei dem die Männerstimmen Tiere imitieren und minutenlang einen Ton halten müssen. Auch beim »Gstanzle«Singen mit eigenen Spottversen kommen ungeahnte Talente zum Vorschein, obwohl die Texte nicht immer im bayerischen Dialekt vorgetragen werden und sich mancher bei den Konsonanten verhaspelt, weil die Reflexatmung noch nicht passt. Aber dazu eine urige Rhythmus-Combo mit Teufelsgeige, Löffelschlagen und Besenbeat, fertig ist die gesellige Runde.

Juchzen, bis die Wirbelsäule vibriert

Vom Maurer bis zum Generaldirektor, Menschen von acht bis 80 Jahren, von der Varieté-Artistin, die kopfüber Jodeln gelernt hat, bis zum 70-köpfigen Hausfrauenklub: Ecker zeigt allen, wie sie ihren Körper lustvoll als Resonanzboden einsetzen können, bis sogar die Wirbelsäule vibriert. »In allen möglichen Winkeln des Körpers weht dann ein Lüftchen durch!«, eröffnet der Oberjodler, was u. a. beim therapeutischen Jodeln entscheidend ist. Natürlich achtet er dabei auch auf regionale Eigenheiten und lässt bei Franzosen oder Belgiern das »H« in der Palette der Trainingslaute weg, »denn sonst ersticken’s ja«, Dass die Teilnehmer am Ende ihres bavaro-musikalischen Abenteuers ein Jodeldiplom in den Händen halten, versteht sich von selbst – man kennt das ja von Loriot. »Noch wichtiger aber ist«, so Ecker, »die Leute gehen völlig entspannt und gut gelaunt wieder nach Haus’.«

Die Fantasie des Meisters mit der urigen Ziach (zu Deutsch: Ziehharmonika) ist damit längst nicht ausgereizt: Neu in seiner kehlig-lockenden Angebotspalette sind u. a. Jodelwanderungen in Oberbayern und eine CD zum Üben in der Badewanne oder auf einsamen Autofalnrten – für den Animierjodler zur Entspannung im Stau. Nur eines sollten Hobby Jodler in allen Lebenslagen beachten: Immer den Oberkörper aufrecht halten, »sonst zwickt’s einem aber auch alles ein!«

Jodeln online

Wer keine Zeit hat, das Jodeln auf dem Hochfelln zu erlernen, kann im Internet einen Onlinekurs besuchen. Gerhard Katholnigg aus Geretsried hat ihn entwickelt: Zehn Lektionen in sechs Sprachen! Sie beginnen mit einem vermeintlich einfachen »Hodl-o-uu-dii« und steigern sich bis zum getragenen Andachtsjodler. Wer alle Lektionen erfolgreich durchjodelt hat und seine Gesangeskünste zur Beurteilung nach Geretsried mailt, bekommt sogar den elektronischen »Yodel Award«. Das haben sich bisher nur wenige getraut, berichtet der Internet- Jodellehrer Katholnigg, darunter eine Opernsängerin und zwei niederländische Mädchen, die nun mit Juchzern die Verwandtschaft beglücken.

Infos Jodeldiplom

Kontakte: Josef Ecker, Kapellenweg 11, 83346 Bergen, Tel. 0 86 62/41 95 29, www.jodelseminar.de; Tageskurs 40 €, Zweitageskurs 70 €. Die Kurse finden im Sommer auf dem Hochfelln statt (A 8 bis Ausfahrt Bergen, durch den Ort zur Talstation der Seilbahn), weitere im Frühjahr und Herbst auf dem hessisehen Feldberg bzw. in Berlin.
Yodel Award von Gerhard Katholnigg, Blumenstr. 33, 82538 Geretsried Tel. 0 81 71/6 03 29, www.jodelkurs.com
Sehenswertes drum herum: Bergen ist eine gute Basis für Wanderungen in der Umgebung, Ausflüge zum Chiemsee mit Schloss Herrenchiemsee, nach Rosenheim und Salzburg (www.chiemgau-tourismus.de).
Essen: Krautwickerl, Waller im Wurzelsud und regionale Schmankerl gibt es im Wirtshaus D’ Feldwies, Greimelstr. 30, Übersee, Tel. 0 86 42/59 57 15. Mo-Do ab 16, Fr-So ab 11 Uhr.
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