Der neue Trendsport heisst “Wanderreiten”

Den ganzen Tag im Sattel sitzen, Übernachten beim Bauern, auf Pferdehöfen oder gar unter freiem Himmel, dazu Musik am Lagerfeuer, Würstchen grillen- für viele Reiter sind Wanderritte das ultimative Erlebnis. Und das Beste: Man braucht dazu nicht unbedingt ein eigenes Pferd! Wanderreiten kann man fast überall. Zum Beispiel in Thüringen, in der Eifel oder in der Lüneburger Heide, um nur drei attraktive Beispiele zu nennen. Na dann, Hals- und Beinbruch!

Geführte Wanderritte sind meist eingebunden in ein Netz von Wanderreitstationen. Es ist außerdem möglich, mit dem eigenen Pferd auf eigene Faust zu reiten oder sich einer Gruppe anzuschließen. In manchen Höfen kann man auch ausgebildete Wanderreitpferde samt Ausrüstung mieten. Die Bandbreite der Angebote, die nicht nur nach Länge und Anspruch an den Reiter variieren, ist unerschöpflich. Manche beinhalten exklusive übernachtungen, etwa auf einer Burg, andere einfache Unterbringung im Heu. Jeder Interessent muss deshalb ein wenig puzzeln, bis er seinen Wunschund Traumritt ausfindig gemacht hat.

Auf Andalusiern durch Thüringen

Wer temperamentvolle spanische Pferde, Gastfreundschaft und endlose Reitwege durch wunderschöne Landschaften sucht, ist hier, im grünen Herzen Deutschlands, genau richtig. Trittsichere, ausdauernde und zuverlässige Pferde, gesattelt mit den bequemen Vacquero-, sprich Hirtensätteln, warten auf abenteuerlustige Reiter, die mit ihnen den sechstägigen, 220 km langen Wanderritt unternehmen möchten, einen der schönsten, den der Veranstalter »Reiter & Pferd« in Deutschland im Programm hat. Die Andalusier eignen sich aufgrund ihrer Konstitution für solche Trails ganz hervorragend. Und Sie brauchen nicht einmal einen Flamenco-Rock zu tragen, um eine gute Figur zu machen. Zehn dieser wunderschönen temperamentvollen Pferde stehen zur Verfügung.

Täglich heißt es aufsitzen und dann rund drei bis sechs Stunden im Sattel bleiben – Pausen nicht mitgerechnet. Hoch zu Ross entdecken die Teilnehmer die traumhafte Landschaft Thüringens: Es geht durch Naturschutzgebiete mit Hunderten von Seen, an plätschernden Bächen entlang, durch tiefe Wälder, dem gurgelnden Saalelauf folgend oder auch zu den Ufern von Deutschlands größtem Stausee. Ein erfahrener Reitführer sorgt dafür, dass die Reitersleut’ ihr Picknick an den schönsten Plätzen genießen und Sehenswürdigkeiten wie die Wehraulage Schloss Burgk nicht verpassen. Übernachtet wird aber nicht im Freien, sondern in einem kornfortablen Hotel und in einer gemütlichen Wald pension mitten im Grünen. Nachdem die Pferde mit frischem Heu und Hafer versorgt sind, werden auch die Reiter mit thüringischer Hausmannskost von der speziellen Reiterkarte verwöhnt.

Wer keine sechs Tage Zeit hat und mit einer kleinen Tour beginnen möchte, dem seien der Trail durch das romantische Elstertal oder auch der Vogtlandtrail empfohlen.

Auf Pilgerpfaden durch die Eifel

Zahlreiche Wanderreitstationen, an denen man samt dem eigenen Ross übernachten kann – ob in alten umgebauten Bauwagen, im Heu, im einfachen Zimmer oder ganz stilvoll auf einer wunderschönen Burg -, sind in der Eifel ausgewiesen. An diesen Höfen oder Ställen (aufgelistet auf der Website www.eifelzupferd.de) kann man teilweise sogar Pferde mieten und sich dann einem geführten Ritt anschließen.

»Wir sehen Rehe, Füchse und mitunter Dachse bei solchen Ritten«, schwärmt Dagmar Kürsch, die oft in der Eifel unterwegs ist. »Das Besondere an solchen Touren ist die Nähe zur Natur, das enge Vertrauensverhältnis, das man zum Pferd bekommt, und die Tatsache, dass man ein konkretes Ziel hat.«

Nehmen wir den dreitägigen Ritt »Auf Pilger- und Schmugglerpfaden durch das Hohe Venn, den Hürtgenwald und das Monschauer Land« (86 km). Los geht es nahe dem Krickelberger Wald südwestlich von Aachen am Gut Rattenhaus, das schon auf belgischem Gebiet liegt. Von hier startet die 23 km lange erste Etappe, die über alte Pfade des berühmten Jakobswegs nach Santiago de Cornpos tela führt.

An besonders schönen Aussichtspunkten wird eine Pause eingelegt, man lässt die Pferde ein wenig grasen, vertritt sich die Beine und beginnt zu fachsimpeln – über Pferde, was sonst! Wo die Wege steil bergauf führen, sitzen die Reiter ab – nicht weil die Pferde schlappmachen würden. Man will sie einfach schonen. Im Galopp geht es dann weiter zum Hürtgenwald, einem traumhaften Waldgebiet, das im Kriegsjahr 1944 traurige Berühmtheit erlangte. Hier fanden die unter dem Begriff »Hölle vom Hürtgenwald« in die Geschichtsbücher eingegangenen drei grausamen Abwehrschlachten der Wehrmacht gegen die rasch vorrückende US-Armee statt.

Durch eine friedliche Landschaft mit riesigen Wäldern nähert man sich der Ortschaft Raffelsbrand, wo auf dem Dartsch-Hof der nächste Zielpunkt der Tagesetappe erreicht ist. Ob Sie lieber in der Ferienwohnung oder auf dem Matratzenlager nächtigen möchten, sollten Sie bereits vor dem Trail geklärt haben. Für die Pferde ist auch hier bestens gesorgt: Boxen oder Weidepaddocks stehen auf solchen Stationen ausreichend zur Verfügung.

Auf alten Schmugglerpfaden geht es am nächsten Tag weiter in Richtung Monschauer Land, bis nach Kalterherberg, einer Region, die durch weite und tiefe Wälder geprägt ist, bevor am nächsten Tag die letzte Etappe von 31 km angetreten wird. Ziel ist das Hohe Venn. Das eindrucksvolle Hochmoor im deutsch-belgischen Grenzgebiet ist mit seinen abgestorbenen Bäumen und der weiten Graslandschaft zu jeder Jahreszeit von landschaftlich einzigartiger Schönheit. Fluss- und Bachtälern folgen die Reiter im leichten Trab, an der Hill entlang, durch den Getzbach zum Weserstausee, bevor wieder der Ausgangspunkt Gut Rattenhaus im belgischen Eynatten Berlotte erreicht ist.

Wanderreiten durch die Lüneburger Heide

Es ist überall das gleiche Bild, nur die Regionen ändern sich: Reiter, die ihre Pferde striegeln, Hufe auskratzen, das Zaumzeug säubern, aufsatteln, noch einmal prüfen, ob der Sattelgurt fest genug sitzt, und im Schritt aus dem Hoftor klappern, um in den Morgen hineinzureiten. Nehmen wir als drittes Beispiel die Heideregion um Uelzen in Niedersachsen. Dort bietet der fünf tägige Göhrde-Ritt, der durch ein ausgedehntes Waldgebiet führt, herrliche Landschaftserlebnisse. Startpunkt ist Suhlendorf im Osten der Lüneburger Heide, in der Nähe des Naturparks Elbufer-Drawehn. Gleich am Anreisetag geht’s noch ins Gelände, weniger um die Landschaft kennenzulernen als um mit dem Pferd vertraut zu werden, das einen die nächsten fünf Tage sicher durch die Lande tragen soll.

Eines der ersten Ziele ist der Findlingspark Reddereitz, in dem – chronologisch geordnet – mehrere Hinkel- steine aufgestellt sind, die in den verschiedenen Eiszeiten hier und anderswo abgelagert wurden. Weiter geht es in Richtung Göhrde, wo die Besichtigung des Jagdschlosses Göhrde auf dem Programm steht. Gegessen wird zwischendurch an der “Grünen Tafel« – sprich an einem schönen Platz, wo auf einem weiß gedeckten Tisch kulinarische Genüsse auf die Reiter warten. Die Stärkung für den Magen und ein wenig Entspannung für die Beine sind willkommen, bevor man die Nachmittagsetappe zur Wanderreitstation antritt. Dort wiederholen sich abends die Handgriffe – absatteln, Pferde u. U. ein wenig mit Stroh trocken reiben, füttern -, ehe man sich schließlich an den zünftig gedeckten Tisch setzt und das warme Abendessen so richtig genießt. Übernachtet wird im Bett – auf Wunsch auch im Heu! Reiter sind naturverbunden, aber nicht immer die reinen Naturburschen. Trotzdem: Zu viel Luxus verträgt sich nicht mit dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer!

Infos Andalusier- Trail

Kontakt: Pferd & Reiter, Rader Weg 30 A, 22889 Tangstedt, Tel. 0 40/ 6076690, www.pferdreiter.de.Beim sechstägigen Andalusier-Trail übernachtet man dreimal im einem Hotel, zweimal in einer Waldpension. Trails ab 369 € bis 769 € (Andalusier-Trail).
Lage: Thüringen. Eine genaue Anfahrtsbeschreibung erhalten Sie bei der Buchung.

Infos Eifelritt

Kontakt: Start im Gut Rattenhaus, Rattenhaus 19, 4731 Eynatten Berlotte, Belgien (belgisch-deutsches Grenzgebiet), Tel. 00 32/0 87/85 00 25, www.gut-rattenhaus.de, www.eifelzupferd.de. Der 3-tägige Eifel-Trail umfasst Übernachtung, Frühstück, Lunchpaket, Abendessen und Weidepaddock inkl, Heu und Stroh fürs Pferd (es sei denn, man reitet auf einem Leihpferd). Preis: 128 € pro Reiter plus Kosten für Berittführung, Anhänger und Gepäcktransfer.
Lage und Anfahrt: Nordrhein-Westfalen. Das belgische Eynatten liegt südlich von Aachen, zu erreichen über die A 441A 4 bis Kreuz Aachen, dann Richtung Lüttich (Liege), Ausfahrt Raeren/Eynatten.

Infos Göhrde-Ritt

Kontakt: Hof Uhlenhorst, Batensen 1, 29562 Suhlendorf, Tel. 0 58 20/97 03 70, www.hof-uhlenhorst.de. 5-Tage-Ritt 750 € pro Person (inkl. 6 Übernachtungen im DZ, VP).
Lage und Anfahrt: Niedersachsen. Suhlendorf liegt östlich von Uelzen zwischen Rosche und Suhlendorf, angrenzend an die Göhrde und den Naturpark Elbufer-Drawehn. Zu erreichen über die B 71 ab Uelzen.

Infos allgemein

Essen und Unterkunft: Da organisierte Ritte in der Regel in ein enges Netz an Wanderreitstationen eingebunden sind, braucht man sich als Teilnehmer nicht um Übernachtung und Verpflegung zu sorgen. Wer einen Trail selbst zusammenstellt, sollte für die Ferienzeiten frühzeitig buchen. Da die Höfe mit Paddocks z. T. abgelegen sind, hat man gastronomisch nicht allzu viel Auswahl, findet aber tagsüber genügend Gelegenheit, Proviant zu besorgen.
Reiterliche Voraussetzungen: An mehrtägigen Trails sollten nur Reiter mit ausreichend Geländeerfahrung teilnehmen, nicht jedoch Anfänger. Alle drei Grundgangarten müssen beherrscht werden und der Reiter sollte zudem über eine gute körperliche Kondition verfügen. Reitkleidung, insbesondere eine Kappe, ist unabdingbar.
Weitere Infos zu Anbietern: Deutsche Wanderreiter-Akademie e.V., Fischerhof, 56410 Reckenthal/Montabaur, Tel. 0 26 02/1 85 07, www.wander reiten-in-deutschland.de. Auf der Homepage werden zahlreiche Wanderreitbetriebe genannt.

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