Sahara- Feeling im Hochsommer? Schneeseligkeit im lauen Frühlingslüftchen? Oder verwegenes Sandgestöber im Oberpfälzer Landregen? Egal! Auf dem weißen Monte Kaolino in Hirsehau ist jeden Tag Saison: Knapp 40 Mio. Tonnen feinen weißen Quarzsand, ein Grundstoff und zugleich Abfallprodukt der Porzellanherstellung, haben die Amberger Kaolinwerke seit 1833 dort aufgeschüttet. Wmtersport auch ohne Schneezauber – das ist ein Erfolgsgeheimnis.

Brettlspaß im Sonnentop

Der rund 120 m hohe weiße Berg mit seiner abgeflachten Kuppe dominiert nicht nur einen 20 ha großen Freizeitpark am Stadtrand von Hirschau, sondern die gesamte Region. Der »Monte«, wie er in der Oberpfalz gerne genannt wird, ist eine geologisch-sportliche Attraktion. Unübersehbar verweist er auf die größten Kaolinlagerstätten in Deutschland in der nahen Hirsehauer Flur – und auf die Chancen, die eine Rekultivierung des industriell geprägten Geländes bietet. Immerhin soll am Ende der Ausbaumaßnahmen ein großzügig angelegtes Naherholungszentrum mit Seen landschaft, vielerlei Sportangeboten und künstlerischer Note stehen. Mit jedem vollendeten Bauabschnitt wächst die Attraktivität des Sandbergs.

Ein Trainingstag in Hirschau garantiert Brettlspaß in Sonnen top und Bermudashorts. Nur die klobigen Skistiefel wirken auf den ersten Blick befremdlich. Wer braucht schon Schneesicherheit, wenn man jede Menge fein zerriebenen Kaolinsands zur Verfügung hat? Folgerichtig haben sich die Verantwortlichen optimal auf sommerliche Winter-Events eingerichtet: Internationale Sportcracks wirbeln Jahr für Jahr bei der Sandboard- Weltmeisterschaft und der Sandski-Europameisterschaft in Rekordgeschwindigkeit das »Weiße Gold der Oberpfalz« auf. Auf einem 220 m langen Übungshang mit rund 33 Prozent Gefälle, das entspricht der Steilheit einer roten Piste, legen sich die Sandboarder bei ihrer Slalornfahrt elegant in die Kurven – oder aufs Kreuz, was dem Publikum am Fuß des Hanges genauso gut gefällt.

Da man auf Kaolin weniger leicht rutscht als auf Schnee, müssen sich die Sportler erst an die spezielle Monte-Abfahrtstechnik gewöhnen und wegen der höheren Reibung der Skier oder Boards auf Sand ihren Schwerpunkt zum Hang hin verlagern, was manchmal in unterhaltsamen Purzelbäumen endet. Auch wenn der Kaolinsand stärker knirscht als Pulverschnee und die feinen Kristalle gelegentlich eine Skibrille zerkratzen, so machen bald verwegene Schwünge in T-Shirt und knallbunter Surferhose sichtlich Spaß.

Action pur

Unterhaltsam wie das weiße Sandgestöber ist auch die Liftanlage: Weder Schlepp- noch Sessel- oder Kabinenlift, nein, eine Standseilbahn mit einem verkürzten Wikingerboot transportiert die Freizeitsportler auf die Kuppe, wo sie sich dann wagemutig ins Vergnügen stürzen. Neben der kuriosen Liftanlage stehen ordentlich aufgereiht die neuesten Sportgeräte zum Ausleihen bereit; Big Foot und Crossboard, schnittige Funboards und spezielle Carving-Ski für den Sandeinsatz. Besonders beliebt bei Tagesgästen sind die poppigen Tellerschlitten mit Steuerknauf. Nach der Action am Monte bietet sich das moderne Dünenfreibad als ideale Ergänzung an: Relaxen im Sand, die Riesenwasserrutsche als Mutprobe und das obligatorische Fachgesimpel über die schnittige Balance auf Sand runden den sportlichen Ausflug zum Monte Kaolino in der Oberpfalz ab.

Rechtzeitig zum Sommer 2008 werden eine Sommerrodelbahn, eine Strecke für Crossboarder sowie ein Rollskiparcours am Fuß des Sandbergs eröffnet. Außerdem soll eine Ausstellung zur Geschichte des Kaolinabbaus im Kaolineum auf dem Gipfel des Monte eröffnet werden. Im nahen Birkenwäldchen lädt ein Farbenwald der Künstlerin Evi Steiner-Böhm mit zehn farbstarken Harzstelen entlang eines Rundwegs zur meditativen Entspannung ein.

Infos Monte Kaolino

Kontakt Freizeitpark Monte Kaolino, c/o Stadtverwaltung, Rathausplatz 1, 92242 Hirschau, Tel. 0 96 22/22 46,
www.montekaolino.eu. Skiclub Monte Kaolino Hirschau e.V., www.scmk.org. Halbtageskarte 6 €, Tageskarte 8 €. Uftbetrieb Mai-Sept. 9-18 Uhr.
Lage und Anfahrt: Oberpfalz. A 93, Ausfahrt Wernberg-Köblitz.
Sehens- und Erlebenswertes drum
herum: Großes Ganzjahres-Freizeitareal mit Inliner-, Skater- und Langlaufparcours; Dünenbad Mai-Sept. 9-20 Uhr. Sandkunst-Aktionen und Wanderwege rund um den Monte Kaolino. Permanente Ausstellung im GeoPark Kaolinrevier Hirschau-Schnaittenbach (www.geopark-kaolinrevier.de) zum Wandel in der Industrielandschaft; Ausflugsmöglichkeiten zur Burg Dagestein in Viiseck.
Essen und Unterkunft: Das Schloss-Hotel Hirschau ist die beste Adresse am Sand berg. Es bietet in seinen massiven mittelalterlichen Mauern allerdings nur zwölf Zimmer, das Fürstenzimmer mit historischem Interieur, die anderen modern mit verspielten Elementen. Im rustikalen Schlossstüberl, in den Kellergewölben und im Biergarten werden deftige regionale Schmankerl serviert. Hauptstr. 1, 92242 Hirschau, Tel. 0 96 22f7 01 00.

kaolinoPistenspaß am Monte Kaolino

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